Auf µm genaue Messgeräte herstellen

Der Arbeitstag in der Firma WENZEL startet um 6:30 Uhr und geht bis 16:00 Uhr. Zwischendrin gibt es viertelstündige Pausen für Frühstück und Mittagessen. Gearbeitet wird allerdings nur von Montag bis Donnerstag, Freitag ist ein freier Tag. Denn hier ist man seit letztem Jahr auf eine 4-Tage-Woche mit 36 Stunden umgestiegen. Das finden alle Beteiligten gut und es wird außerdem ergänzt durch die Gleitzeit, sprich wer erst um 8:00 Uhr kommen will, kann das problemlos machen, muss dann nur einfach länger bleiben. 
 

Feinwerk II_Maja Hereth (1)
Ich war in verschiedenen Abteilungen eingesetzt, unter anderem der Schlosserei, der Vormontage, Endmontage und Feinbearbeitung. In der Schlosserei beginnt alles, dorthin wird das Rohmaterial geliefert, dann in kleinere Teile gesägt und Teile zusammengeschweißt. Hier wird der Grundstock für alles weitere gelegt. Dann geht's in die nächste Abteilung, die mechanische Fertigung, da wird viel mit Maschinen gearbeiten. Zum Beispiel arbeiten wir an der Bridgeport Maschine, in der man vier Werkstücke gleichzeitig bearbeiten kann, weil sie vier Schraubstöcke hat. Die Arbeit hier besteht darin, dass man die Maschine einstellt, sprich, ihr mit Hilfe eines 3D-Tasters zeigt, wo die Nullpunkte sind, damit sie an den vorgesehenen Stellen die Löcher bohrt. Dann arbeitet man mit der Hand nach, indem man die scharfen Kanten feilt, und misst nach, ob alle Maße eingehalten wurden. Die Maße entnimmt man der technischen Zeichnung, die es zu jedem Werkstück gibt. Danach werden die Einzelteile in der Vormontage als Baugruppe montiert.

Zwischendrin kleben wir Gewinde mit Spezialkleber in Granit ein. Dafür brauchen wir Gewinde in der Größe M6, was ziemlich dick ist. Ein paar Räume weiter wird parallel dazu in der Feinbearbeitung Granit auf µm genau geläppt (= geschliffen). 0,001 mm sind übrigens 1 µm. Um sich ungefähr vorstellen zu können wie fein das ist, ein Beispiel: Ein einzelnes Haar ist zwischen 0,05 und 0,08 mm dick, also im Vergleich zu den Einheiten, in denen hier gearbeitet wird, wahnsinnig groß und dick. Damit das Granit so glatt wird, arbeitet man mit Diamantpulver und speziellen Uhren und Computersystemen. Am Ende der Fertigungskette stehen fast fertige LH-Maschinen in der Endmontage und die letzten Verkleidungen, WENZEL-Sticker und der Faltenbalk werden angefügt. Im Raum daneben stehen Ausstellungstücke der LH-Maschinen, sowie eine Shopfloor SF87 und eine GTS. Feinwerk II_Maja Hereth (3)

Was man über den Beruf des Feinwerkmechanikers wirklich sagen kann: er ist vielseitig. Natürlich arbeitet man bei allem mit Metall und Maschinen, aber für wen das nicht nur grobe Begriffe sind, sondern wer sich etwas technisch begeistern kann, dem wird hier auf jeden Fall nicht langweilig. Wer handwerkliches Geschick und räumliches Vorstellungsvermögen mitbringt, wird diesen Beruf gut meistern. Und abgesehen davon ist das Betriebsklima hier wirklich gut. Das liegt an den Kollegen, der lockeren Stimmung in der Halle, daran, dass es keinen Druck von oben gibt, an den flexiblen Arbeitszeiten und nicht zuletzt an den drei Hausziegen, die am Fenster ab und zu einen Besuch abstatten. 

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