Zwischen Kochen, Kunst und Kreativität

Mein zweiter Tag im Hotel Mainpromenade beginnt, wenn die meisten anderen gerade Schluss machen, um 17 Uhr. Im Gegensatz zu den meisten anderen hatte ich dafür an diesem Freitagnachmittag frei. Damit kann man also durchaus leben. Und auch für Partygänger sind die Arbeitszeiten erträglich. Denn auch wenn man am Wochenende mindestens zwei Mal im Monat arbeiten muss, ist ein Arbeitsende um 21 Uhr und Arbeitsbeginn um 11 Uhr doch recht verträglich mit dem Nachtleben.  

Genau wie gestern startete meine Schicht mit viel Schnibbelarbeit und Vorbereitungen von Gerichten für später oder sogar für den nächsten Tag. Weil es später zu stressig wird, wurde das in weiser Voraussicht jetzt schon mal erledigt. Die am Tag zuvor selbst gemachten Spätzle werden zum Beispiel heute im Verlauf des Abends angebraten. Innerhalb einer Stunde kommen auch schon die ersten Abendessenbestellungen rein. Da werden die Pfannen angeschmissen und drauf los gedünstet, gebraten und gekocht, was vorher vorbereitet wurde. Jeder Koch arbeitet an seinem Posten, wobei hier im Familienbetrieb eher auf seiner Seite der Küche. Das richtige Timing ist hier ein wichtiges Stichwort, immerhin muss alles so aufeinander abgestimmt sein, dass es gleichzeitig warm auf dem Teller liegt. Wie lange welche Lebensmittel brauchen, bis sie fertig gekocht sind, wird übrigens auch in der Schule behandelt.

Köchin_Maja Hereth_4
Die letzten Feinschliffe werden durch das Garnieren (= Dekorieren) gemacht und dann kann die Bedienung das Essen mitnehmen. Bei gerade diesem letzten Schritt kommt ein schöner Aspekt des Kochberufs zum Ausdruck: die Kreativität. Denn vor allem beim Dekorieren sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und es wird ordentlich was gezaubert. Wie das richtig Garnieren geht, kann man zum Beispiel in zusätzlichen Kursen der Berufsschule in Würzburg lernen. Wobei "richtig" natürlich relativ ist, schließlich reden wir hier ja von einem Stück Kunst. Übrigens sind auch beim Erstellen der Gerichte der Kreativität kaum Grenzen gesetzt, es muss nur ins Konzept 19/20 (traditionelle Heimat-Küche neu interpretiert) passen und der Küchenchef muss sehen, ob es lieferbar und preislich sinnvoll ist. Da wurden an Weihnachten zum Beispiel schon mit Wodka und Rote Bete gebeizter Lachs oder soufflierte Landhähnchenbrust mit Kräuterseitlingen, rotem Camargue-Reis und glasierten Karotten angeboten.

Nicht nur in Zusatzkursen, sondern auch während der normalen Unterrichtseinheiten lernt man das Garnieren und die Grundtechniken des Kochens. Im Fach "Fachtheorie" gibt es zum Beispiel das Thema "Lebensmittelkunde", und mehrere Unterrichtsstunden können sich schon mal um verschiedene Teige und Massen und deren Beschaffenheit drehen. In der "Fachpraxis" wird die Theorie dann in schuleigenen Küchen ausprobiert. Während des ersten Lehrjahrs ist man übrigens im Wechsel für 2 Wochen in der Schule und für 4 Wochen im Betrieb. Schon im zweiten Lehrjahr wird die Theorie weniger, da ist man an einem fixen Tag der Woche in der Schule, den Rest der Woche in der Küche. Übrigens, was viele vergessen: Die Tage bzw. Wochen Schulzeit werden den Azubis mitbezahlt. Laut Tarifvertrag sind das immerhin 1.000 € brutto pro Monat. Im Verlauf der drei Jahre Ausbildung steigert sich das auf 1.200 €. Das Gehalt nach der Ausbildung startet bei 2.200 € bis 2.400 € und kann sich im Laufe der Jahre deutlich steigern - vor allem, da die Aufstiegschancen in diesem Beruf gut sind. Auch das Selbstständigmachen ist als Koch im Vergleich zu anderen Berufen leichter. 

Wer ein Handwerk mit nicht zu unterschätzendem Kreativitätsaspekt möchte, für den ist die Ausbildung zum Koch sicherlich nicht schlecht. 

Kommentare (0)