Zahlen Sie bar oder mit Karte?

Der zweite Tag, den ich im Edeka Trabold in Gemünden verbringe, startet um 12:00 und wird bis 20:30 Uhr gehen. Ich bin heute bei der sogenannten Spätschicht dabei. 

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Es ist super heiß draußen, deswegen freue ich mich, in die klimatisierte Filiale zu gehen. Schnell schlüpfe ich wieder in meine Uniform und so kann der Tag starten. Zu Beginn begleite ich eine Mitarbeiterin, die für die Abteilung "MoPro" zuständig ist. "MoPro" steht für Molkereiprodukte und ist eine der Abteilungen, für die man eingeteilt wird. In dieser Abteilung ist es beim Einräumen von Ware besonders wichtig, auf das Mindesthaltbarkeitsdatum zu achten. Das heißt in der Umsetzung, die einzusortierenden Produkte müssen immer ganz nach hinten. Bei Konserven oder Tiefkühlprodukten ist das nicht ganz so wichtig, denn hier ist das Mindesthaltbarkeitsdatum sehr viel länger. 

Je nachdem in welcher Abteilung man gerade ist, gibt es verschiedene Sachen, auf die zu achten ist. So ist es zum Beispiel in der Obst- und Gemüse-Abteilung so, dass ständig nachgefüllt werden muss, während die "MoPro" ihren Kontrollgang um 12 Uhr hat und man dann immer mal wieder nachsieht, was nachgefüllt oder nachbestellt werden muss. Zu den Aufgaben in der Obstabteilung zählt außerdem auch das Aufschneiden von frischem Obst, das dann in kleinen Schachteln im "To-Go-Regal" verkauft wird. 

A propos Obstabteilung, hier hat sich der Edeka Trabold gegen Lebensmittelverschwendung folgendes einfallen lassen: Obst, das zwar noch gut ist, aber "Schönheitsfehler" hat, wird in der sogenannten Blind-Date-Tüte für 3.99 € verkauft. Der Warenwert pro Tüte beträgt mindestens 8 €, ein ziemliches Schnäppchen also. 


 

Tag 2 Trabold_Maja Hereth (1)
Jetzt aber zum eigentlichen Highlight dieses Arbeitstages: Ich durfte hinter die Kasse. Nachdem ich der Kollegin erst einmal über die Schulter geschaut habe, werde ich selbst dran gelassen, und zu meiner Überraschung empfinde ich diese Aufgabe als am besten. Vor allem wegen des Kundenkontakts. Das klassische "Hallo", "Haben Sie die Edeka- oder Deutschlandcard?", "Zahlen Sie bar oder mit Karte?", "Sammeln Sie die Treuepunkte?"  und zu guter Letzt "schönen Tag Ihnen noch, tschüss" ist schnell drinnen und geht fast automatisch von den Lippen. Auch die geistige Forderung beim Geld herausgeben und Artikelnummern von losen Artikel nachschauen, gefällt mir. Vor Letzterem hatte ich auf jeden Fall Respekt, aber im Verlauf weniger Stunden werde ich auch damit immer vertrauter. Trotzdem beeindruckt es mich, wie die Kolleginnen und Kollegen die meisten der Nummern auswendig wissen. Die Nummer 2002 für "Gut und Günstig Bananen", die konnte ich mir im Verlauf des Tages merken, aber für die Unmengen an anderen Nummer würde es sicher ein paar Wochen dauern. Das ist aber ja auch nur verständlich und gar nicht weiter schlimm, denn am Anfang dauert es bei jedem etwas länger. Im Vergleich zum Discounter wird hier beim Edeka Trabold aber zum Glück kein Druck von oben auf die Kassenkräfte ausgeübt. Das Thema Schnelligkeit hinter der Kasse ist natürlich wichtig, aber wird nicht durch Timer und Co. nachgeprüft. Das nimmt wahnsinnig viel Stress aus dieser Tätigkeit. 


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Wer als Einzelhandelskauffrau oder -kaufmann arbeitet, sollte also kommunikativ sein, aber was ist denn eigentlich noch wichtig? 

Teamgeist, denn die verschiedenen Abteilungen arbeiten eng miteinander zusammen, Sauberkeit und Konsequenz, wenn es ans Waren einräumen geht, und natürlich Freundlichkeit und Höflichkeit. Außerdem muss man sich hinter der Kasse gut konzentrieren können, aber diese geistige Forderung empfand ich als eigentlich angenehm. Denn wie viel Wechselgeld man rausgeben muss, wird zum Beispiel auf dem Bildschirm angezeigt. 

Wer eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau oder zum Einzelhandelskaufmann macht, den erwarten auf jeden Fall neue Erfahrungen jeden Tag. Sei es im Kundenkontakt bei Fragen wie "Gestern bei "Höhle der Löwen" wurde dieses Produkt vorgestellt, wo finde ich das?" oder "Ich such Marmelade zum Käse, habt ihr das da?" (Spoiler: Ja, das gibt es tatsächlich genau so im Sortiment) oder beim Ware einräumen, wenn es darum geht, ob man das neue vegane Fertiggericht lieber ins vegane Regal stellt oder zu den anderen Fertiggerichten, oder soll man vielleicht doch gleich einen eigenen Aufsteller dafür machen? Was man auf jeden Fall sagen kann: In diesem Job wird es nie langweilig. 

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